Mein Weg zum Triathlon: Ein Tagebuch voller Höhen und Tiefen



Ich habe mich wirklich angemeldet. Jetzt gibt es kein zurück. In genau drei Wochen werde ich meinen ersten Triathlon bestreiten. Und jetzt geht es an die Vorbereitung. Also der Freundin schreiben, ob sie mir ihr Rennrad für die nächsten drei Wochen zur Verfügung stellt und mit Freunden die vom Schwimmen etwas Ahnung haben Termine vereinbaren. Immerhin das Laufen bereitet mir keine Sorgen. Ich halte das Ganze für euch (und für mich) in einem Tagebuch fest:

Montag 17.07, Tag 1: Motiviert in den Tag

Heute steht das erste Mal schwimmen mit einer Freundin auf dem Plan. Bisher kann ich nur normales Oma-Brustschwimmen, als Kopf aus dem Wasser und bloß nicht mit der Nase das Wasser berühren. Das sollte sich nun ändern. Also ließ ich mir ein paar Tipps geben und meine Angst davor, mit der Nase unter Wasser zu gehen musste sich legen. Nach gefühlten 100 Bahnen lief es langsam flüssiger mit dem Atmen. Nach ein bisschen was über ner Stunde und 1.300m war es dann vorbei. Aber hieran werde ich weiter feilen müssen.

Dienstag 18.07, Tag 2: Ich hatte mir das leichter vorgestellt

Nachdem ich morgens beim Yoga war (was dank meiner Abneigung mich zu Dehnen in den letzten Jahren, echt unangenehm und schmerzhaft war) hieß es am Nachmittag, die ersten Annährungen mit dem Rennrad zu machen. Das erste Problem: Wie funktioniert das mit den Klickpedalen? Und wie steige ich da überhaupt rauf? Aber nach ca. 20 Minuten auf dem Parkplatz auf dem Hinterhof hatte ich den Dreh einigermaßen raus. Hoffentlich. Es fühlte ich aber wirklich an wie das allererste Mal auf dem Fahrrad, so wackelig war ich schon lange nicht mehr unterwegs. Ich hoffe das erste Mal im Straßenverkehr läuft glatt und ich lege mich nicht komplett lang.

Mittwoch 19.07, Tag 3: Routine

um 6 Uhr morgens hieß es dann mal wieder: Laufen. Die Leute mit denen ich solche Sachen wage sind meistens die selben und auch die Strecke ist mit ihren 8-9 km sehr vertretbar für die Uhrzeit. Immerhin macht mir der Teil mit dem Laufen keine Angst.

Donnerstag 20.07, Tag 4: Tief Luft holen

6:45 der Wecker klingelt. Oh man. Also raus aus dem Bett, Schwimmtasche packen und das Rennrad aus dem Keller holen. Schwimmtraining. Aber zunächst erstmal mit dem Rennrad das erste Mal in den Straßenverkehr. Unheimlich wackelig und unsicher mache ich mich aus dem Weg, aber nach den ersten Kilometern traue ich mir mehr zu und werde allmählich schneller.
Beim Schwimmbad angekommen dann die erste Ernüchterung. Eine aus dem Schwimmteam meldet sich auch zum Triathlon an. Und ist mit dem Rennrad da. Also genau meine Defizite. Nachdem ich mich endlich ins Wasser getraut habe schwimme ich zunächst zwei Bahnen schön Brust (zumindest dachte ich sogar, dass das sauber ist). Dann werde ich eines besseren belehrt und bekomme Schwimmen komplett neu beigebracht. Ehrliche Sache: Es ist schwieriger als gedacht. Eigentlich dachte ich, ich müsste nur lernen wie ich das mit dem Kopf unter Wasser und wieder hochkommen sauber mache, nicht das mein kompletter Bewegungsablauf falsch ist. Aber naja. Nach 90 Minuten war dann alles vorbei und ich habe mich langsam an den neuen Bewegungsablauf gewöhnt. Aber leicht wird das definitiv nicht!

Freitag 21.07, Tag 5: Pause

Auch wenn ich am liebsten jeden Tag Sport mache und Erholungstage hasse, es muss sein. Morgen möchte ich eigentlich gerne noch n Longrun machen oder ne Runde mit dem Rad fahren.

Samstag 22.07, Tag 6: Wenns läuft...

... dann läufts. Ich habe mich mit einem anderen aus der Laufrunde zu einem "kleinen" Feierabendlauf verabredet. Allerdings wurde aus dem kleinen Lauf mal eben ein Lauf von 20 km. Aber nun gut, ich bin Läuferin und das Laufen nicht zu meinen Schwächen gehört wusste ich.

Sonntag 23.07, Tag 7: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

11:00 ich treffe mich mit anderen Leuten zum Radfahren. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nach ein paar Kilometern wieder auszusteigen, doch je weiter wir uns von Braunschweig entfernen, desto unsicherer werde ich, dass ich alleine zurück finde und an sich fährt es sich auch sehr gut. So ging Kilometer für Kilometer ins Land und es lief mega gut. Bis Kilometer 70 kam und mit ihm meine streikenden Beine. Ich fiel immer weiter zurück und jeder Aufstieg wurde immer schwerer. In Königslutter musste ich es mir dann eingestehen: Ich habe mich überschätzt. Also musste ich gesenkten Hauptes in die Bahn steigen um zurück nach Braunschweig zu kommen. Aber immerhin habe ich 80 km geschafft und das bei meiner ersten Radtour :D

Montag 24.07, Tag 8: Einmal auspowern bitte!

Endlich mal wieder ins Fitnessstudio und zum Cross Circuit eine Runde richtig auspowern. 10 Übungen 45 Sekunden Belastung 15 Sekunden Pause 3 Durchgänge. Der Schweiß fließt, die Beine brennen noch vorm Vortag aber egal, jetzt wird alles gegeben. Mein persönlicher Hass: Wandsitzen. Alles andere geht, Burpees, Liegestützte und Mountainclimbers sind kein Problem aber dieses Wandsitzen bringt mich jedes Mal um.

Dienstag 25.07.2017, Tag 9: Ohhmmmmm

Bevor es in den Urlaub geht, nochmal eine Runde Yoga, vielleicht auch ganz gut nach den letzten Tagen um die Muskeln mal wieder zu entspannen. Ungelenkig wie ich bin ist Yoga für mich nicht entspannend, sondern eine anstrengende Qual.

Mittwoch 26.07.2017, Tag 10: I want to ride my bicycle

Im Urlaub angekommen hieß es am ersten Tag zunächst die Umgebung zu erkunden. Also schnappten wir uns die Fahrräder, die wir von der Unterkunft gestellt bekommen haben und los ging es die Küste entlang ein paar der umliegenden Orte erkunden. Tagessumme: 50 km. Und auch hab ich zwischendurch noch geschafft 1 km schwimmen zu gehen, auch wenn das eher flache und diesige Wasser eine echte Herausforderung darstellte.

Donnerstag 27.07.2017, Tag 11: It´s amore

Heute haben wir den Tag in Venedig verbracht. Damit auch dieser Tag ein bisschen sportlich ist, entschied ich mich am Morgen noch eine kleine Runde laufen zu gehen und so kam ich auf 8,2 km. Immerhin. Ich hasse es schließlich bei heißem Wetter zu laufen. Schritte gesamt an diesem Tag: 34.000.

Freitag 28.08.2017, Tag 12: Aida

Vormittag Sonne und Wasser, Nachmittags Verona, so sah der Plan aus. Letztendlich haben wir uns 90 Minuten ein Stand Up Paddle gebucht und danach habe ich noch eine kleine Schwimmeinheit von wieder ca. 1 km rangehangen. Nachmittags liefen wir dann durch Verona und haben Aida in der historischen Arena gesehen.

Samstag 29.08.2017, Tag 13: Das Wandern ist des Müllers Lust

1.750m klingt eigentlich nicht viel. Eigentlich. Kurz: Wir haben das komplette Unterfangen komplett unterschätzt und als wir ca. nach 3,5 Stunden oben ankamen waren wir fix und fertig. Erfahrungen die wir mitnehmen: Mehr zu trinken mitnehmen als 0,5 l pro Person, 1.750 HM auf 8 km sind verdammt viel und ist ein recht steiler Weg, Nüsse oder irgendwas zum snacken mitnehmen. Aber: Ich in froh es gemacht zu haben und die Abkühlung im See der im Norden deutlich klarer und tiefer war, war eine unfassbar tolle Belohnung. Hätte ich meine Schwimmbrille mitgehabt wären es wohl auch mehr als 300m geworden.

Sonntag 30.08.2017, Tag 14: Eine Bootsfahrt die ist lustig

Sonntag morgen ging es für ich trotz schwerer Beine noch einmal Laufen. Ich musste einfach nutzen, dass ich eine neue und aufregende Umgebung hatte. Deswegen machte ich mich mit dem Rad auf nach Pescheira, um von dort an der Küste weiterzulaufen. Allerdings nur 5 km. Mittags mieteten wir uns dann ein Boot um die Umgebung nochmal vom Wasser aus zu sehen und vielleicht für mich einen Schwimmplatz zu suchen. Allerdings war unsere Zeit etwas knapp und so waren es nur 300m, die ich schwimmen konnte, bevor wir weiter mussten.



Montag 31.07.2017, Tag 15: Ich bin müde

Nachdem bei unserem Rückflug allerhand schief ging und wir mit viel Mühe und Not nur nach Hause kamen und ich nach 2 Stunden Schlaf wieder zur Arbeit musste, war der Tag sportfrei. Nebenbei kommt noch die Tatsache hinzu, dass ich seit Sonntag total fiese Halsschmerzen habe.

Dienstag 01.08.2017, Tag 16: Platzt der Traum?

Ich wache auf und jede Bewegung meines Kopfes tut im Hals unfassbar weh. Ich fühle mich einfach schlapp und mein Hals brennt wie Feuer. Na klasse. Nach 1 Stunde bei der Arbeit muss ich mir ne Vertretung suchen und gehe zum Arzt. Ein grippaler Infekt und das so kurz vor dem Triathlon. Toll. Mein Arzt sagt das Sonntag n Wettkampf eigentlich nicht gut sei. Mal gucken wie es sich die Tag entwickelt. Und dabei habe ich genau heute einen Triathlonanzug für Sonntag geliehen bekommen.

Mittwoch, 02.08.2017, Tag 17: Krankschreibung olé

Ich bin krankgeschrieben und mir geht es beschissen. Na klasse.

Donnerstag, 03.08.2017, Tag 18: Hmm

Es geht langsam wieder bergauf aber der Hals kratzt noch und mein Puls schnellt immernoch bei jeder Kleinigkeit in die Höhe. Ich bezweifle dass das Sonntag was wird.

Freitag, 04.08.2017, Tag 19: Endlich wieder Bewegung

Freitag Abend und ich bin zu einer kleinen Radtour verabredet. Zum einen um zu gucken wie mein Körper auf Belastung reagiert zum anderen weil Radfahren verhältnismäßig entspannt ist, im Gegensatz zum Laufen. Und: Es ging. 30 km in einem entspannten Tempo. Ich juble innerlich.

Samstag, 05.08.2017, Tag 20: Erholung

Der Tag vor dem Wettkampf soll bekanntlich ruhig sein und so habe ich weiter versucht mich zu erholen und vielleicht noch gesünder zu werden. Der Hals kratzt immernoch aber ich habe einen Entschluss gefasst: Ich werde es versuchen, abbrechen geht im worst case immernoch.



Sonntag, 06.08,2017, Tag 21: Der große Tag

9:00 Uhr der Wecker klingelt. Ich bin aufgeregt. Und zwar richtig. Zwar hab ich meine Tasche schon am Abend vorher gepackt, aber die Panik, dass ich was vergesse bleibt. Um meine Kräfte zu sparen fahren wir mit der Bahn zum Heidbergsee. Startnummer holen, Rad einchecken, Wechselzone einrichten. Alles neu für mich. Anschließend geht es zur Wettkampfbesprechung. Neos sind verboten, genauso wie Windschattenfahren.
Der Start der Frauen ist um 12:00 Uhr. Und es rückt immer näher. Sobald ich in den Startblock darf gehe ich schonmal ins Wasser, mache meinen Anzug nass und setze die Brille schonmal auf, bevor ich mich ganz hinten am Rand einreihe. Ich bin keine gute Schwimmerin und das respektiere ich an dieser Stelle nun einfach. Bei der ersten Runde läuft alles noch nicht ganz rund und ich komme als vorletztes am Ufer an. Dann kurz raus und auf zur zweiten Runde. Die läuft schon deutlich besser und ich schaffe es sogar ein paar Leute zu überholen.
Auf zur Wechselzone und das ist alles neu für mich. In die Socken, Radschuhe an und Helm auf. Und im Eifer des Gefechts passiert es; Ich lasse meine Riegel und Gels in der Wechselzone. Aber da muss ich jetzt durch. Nach 10 km kommt immer mehr Gegenwind und es wird so richtig anstrengend. Aber auch da muss ich jetzt durch. Aber die Beine brennen immer mehr. In der Satteltasche finde ich dann zum Glück noch ein Gel und schaffe es erstmal die Hälfte über meinem Körper zu verteilen.
Wieder in der Wechselzone. Erst Fahrrad abstellen, dann Helm absetzen. Laufschuhe an und los. Mein Po brennt als ob ich bereits jetzt Muskelkater hab und meine Beine sind schwer. Und die folgenden 5 km wird das nicht besser. Normalerweise stören mich auch 20 km nicht mehr zu sehr aber heute ist jeder Meter der Kampf. Und zur zweiten Runde geht es nochmal ordentlich bergauf. Ich fluche. Aber ich halte durch und im Ziel bin ich dann nur noch eins: Fix und fertig. Ich kann nicht mehr und auch mein Körper streikt. Aber: Ich habe es durchgezogen und habe mit einem Minimum an Training trotzdem für mich das Beste rausgeholt.

Beim Schwimmen war ich deutlich schneller als im Training und auch auf dem Rad habe ich bessere Zeiten als sonst und das trotz des Gegenwinds. Nur das Laufen entspricht Null meinen normalen Wettkampfzeiten. Aber so ist das nunmal. Ob ich es nochmal machen würde? Ich denke schon!

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